Die Erinnerungskultur zur deutsch-tschechischen Vergangenheit gestalten wir gemeinsam!

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Drei Jahre lang haben wir 11 Organisationen unterstützt, um die Horizonte unserer Erinnerung zu erweitern. Deutsche und tschechische zivilgesellschaftliche Initiativen und ihre Ideen zur Bereicherung der Erinnerungslandschaft. Sie haben unbekannte Orte unserer gemeinsamen Geschichte entdeckt, sich um die Erinnerungen der Zeitzeugen gekümmert und sie an junge Menschen weitergegeben. Sie haben moderne Technologien eingesetzt, um die Erinnerungen in der digitalen Dimension zu verbreiten. Sie haben die Geschichten unserer Vorfahren zum Leben erweckt und ihr Erbe von Generation zu Generation weitergegeben. Sie haben 11 verschiedene Wege eröffnet, um die Kontinuität der historischen Erinnerung zu bewahren.  

Sind Sie neugierig, was sie geschafft haben? Und welche Spuren sie in der Erinnerungslandschaft hinterlassen haben? 

Es ist ihnen gelungen, die persönlichen Erfahrungen von Zeitzeugen der letzten 80 Jahre auf innovative und kreative Weise in das Bewusstsein junger Menschen zu bringen. Die Parallelen zwischen den totalitären Regimen des 20. Jahrhunderts und den negativen Erscheinungen und Konflikten in der heutigen Gesellschaft aufzuzeigen. Sie der Öffentlichkeit mit Hilfe neuer Methoden und Formate zu vermitteln. Die Erinnerung an die gemeinsame deutsch-tschechische Vergangenheit auf digitale Plattformen zu übertragen. 

Wir stellen 11 zivilgesellschaftliche Erinnerungsinitiativen vor

Belebt das deutsch-tschechische Zusammenleben in der Grenzregion Böhmerwald-Bayerischer Wald

Hindle heißt im Dialekt der Choden der Ort zwischen hier und dort. Konkret handelt es sich dabei um die bayerisch-tschechische Grenzregion zwischen Domažlice und Regensburg. Jetzt ist es auch der Name eines neuen Kultur- und Bildungszentrums, in dem sich deutsche und tschechische Nachbarn begegnen, kennenlernen und an gemeinsamen Projekten arbeiten können.

Dank unserer dreijährigen Förderung haben die Akteure nicht nur vor Ort, sondern auch im digitalen Raum eine neue Plattform für grenzüberschreitende Zusammenarbeit ins Leben gerufen. Sie organisieren deutsch-tschechische Gesprächsrunden, inspirierende Ausstellungen und spannende Exkursionen und haben erfolgreich Kontakte zu Partnerorganisationen geknüpft. Hindle zeigt damit, dass durch Ausdauer und Entschlossenheit auch die Peripherie zum Zentrum einer lebendigen deutsch-tschechischen Region werden kann.

hindle.eu

Die Geschichte „unserer Deutschen“

Die gemeinnützige Organisation Collegium Bohemicum hat sich an unserem Programm beteiligt, um der breiten Öffentlichkeit und der jungen Generation die Dauerausstellung Naši Němci (Unsere Deutschen) im Museum Ústí nad Labem näherzubringen. Diese vermittelt auf einer Fläche von 1.600 Quadratmetern in 22 Sälen die Geschichte der deutschsprachigen Bevölkerung in den böhmischen Ländern vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Die Ausstellung wurde bereits von hunderten Schülerinnen und Schülern besucht, ein spezielles Programm wurde auch für deutsche und tschechische Geschichtslehrer vorbereitet.

In den drei Jahren unserer Förderung hat sich das Collegium Bohemicum zu einem Bildungszentrum für die gemeinsame deutsch-tschechische Geschichte entwickelt. Es hat hunderte von Führungen für Schüler aus beiden Ländern organisiert, mittels Theaterszenen historische Ereignisse zum Leben erweckt und es ist an der Entwicklung von Unterrichtsmaterialien beteiligt. Komplexe historische Zusammenhänge werden so in anschaulicher Weise einem breiten Publikum zugänglich. Das Collegium Bohemicum belebt die Erinnerung an die Geschichte der Deutschen in den böhmischen Ländern und trägt damit zur deutsch-tschechischen Verständigung bei.

collegiumbohemicum.cz

Auf den deutschen Spuren im Erzgebirge

Der Verein DoKrajin bemüht sich bereits seit einem Jahrzehnt um die Wiederbelebung der verschwundenen Siedlung Königsmühle im Erzgebirge. Mit großem Engagement folgt er den Spuren, die die einstige deutsche Bevölkerung in der Grenzregion hinterlassen hat. Sein Ziel dabei ist, die Menschen auf beiden Seiten der Grenze wieder zu verbinden und das kostbare Erbe des Erzgebirges zu bewahren, damit es nicht in Vergessenheit gerät.

Dank unserer dreijährigen finanziellen Förderung konnte der Verein ein deutsch-tschechisches Begegnungszentrum in der Gemeinde Kovářská (Schmiedeberg) ins Leben rufen, das Landart-Festival Königsmühle oder Great Walks – Wanderungen auf den Spuren verschwundener Dörfer – veranstalten. Außerdem sind die innovative App Osudy Krušnohoří (Schicksale des Erzgebirges) mit Fotos und Interviews sowie das Erinnerungsportal zkrusnohori.cz mit tausenden historischen Aufnahmen und Audio-Interviews entstanden. DoKrajin ist ein Leuchtturm für diejenigen, die verlorene Schicksale suchen und gemeinsame Wurzeln finden.

dokrajin.cz/pameti-krusnohori

Zwangsarbeit in Frankfurt am Main

Noch heute birgt das moderne Frankfurt am Main die Narben seiner Vergangenheit. Während des Zweiten Weltkriegs mussten hier tausende Tschechoslowakinnen und Tschechoslowaken Zwangsarbeit leisten. Ihre Schicksale werden nun dank des Vereins Studienkreis Deutscher Widerstand 1933–1945 wieder lebendig. Dieser dokumentiert seit mehr als einem halben Jahrhundert den deutschen Widerstand gegen die NS-Diktatur, er betreibt ein Dokumentationsarchiv und organisiert Bildungsveranstaltungen für die Öffentlichkeit.

Unser dreijähriges Programm ermöglichte dem Verein die Recherche biografischer Daten und den Aufbau einer Datenbank zu mehr als 7.500 Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen, die nicht nur in großen Fabriken, sondern auch in kleineren Betrieben oder in der Landwirtschaft eingesetzt waren. In Zusammenarbeit mit Schülern entstand die Ausstellung Hauptsache, wir haben das überlebt. Tschechoslowakische Zwangsarbeitende in Frankfurt am Main zur Zeit des Nationalsozialismus. Diese ist auch Teil der Dauerausstellung in der Gedenk- und Bildungsstätte Geschichtsort Adlerwerke, auf deren Gelände sich einst eine Fabrik und ein KZ für Zwangsarbeiter befand. Dadurch lernen auch weitere Generationen ihre Schicksale kennen.

widerstand-1933-1945.de

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Dreiländereck

Die Hillersche Villa in Zittau, gelegen im deutsch-tschechisch-polnischen Dreiländereck, beweist: Geschichte trennt die dortigen Bewohner nicht, sondern verbindet sie vielmehr! Drei Jahre lang vermittelte das Projekt Zeit/Geschichten Dreiländereck historisch-politische Bildung zur Geschichte beider Nationen und zum Leben von Deutschen und Tschechen, deren Schicksale sich in der Grenzregion kreuzten. Die Hillersche Villa ist ein soziokulturelles Zentrum und Mehrgenerationenhaus. Dank unserer Förderung konnte sie ihre Tätigkeit auch über die Grenze hinaus, in die Region Nordböhmen, ausdehnen. Sie hat ihre Bildungsprogramme um eine tschechische Perspektive erweitert.

Innerhalb von drei Jahren hat sich die Hillersche Villa zu einem lebendigen Zentrum der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit entwickelt. Sie organisiert Begegnungen verschiedenster Art, von Schüleraustauschen bis hin zu Multiplikatorenschulungen, und bringt Menschen aus beiden Ländern aktiv zusammen. Diese intensive Zusammenarbeit lässt ein regionales Netzwerk entstehen und trägt zum Aufbau vieler neuer Partnerschaften bei, ihre Veranstaltungen sprechen ein breites Publikum an. Die Hillersche Villa ist ein wichtiges Zentrum für die lokale deutsch-tschechische Erinnerungskultur und Zivilgesellschaft. Die Vergangenheit wird hier zur Brücke in eine gemeinsame Zukunft.

hillerschevilla.de

Von Zahlen zu Geschichten der Holocaust-Opfer in Mittelböhmen

Das Institut Theresienstädter Initiative hat sich seit Langem zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an die Opfer des Holocaust zu bewahren. Im Mittelpunkt seiner Tätigkeit steht eine Datenbank der Holocaust-Opfer auf der Website holocaust.cz, die seit 2006 nicht nur um Namen und Daten, sondern vor allem um Fotos und Dokumente ergänzt wird. Das Projekt Von Zahlen zu Geschichten ermöglichte eine systematische Recherche in Archiven der Region Mittelböhmen. So konnten neue Zeugnisse gesammelt und veröffentlicht werden. Das Institut bemüht sich aktiv um die Aufklärung der Öffentlichkeit, es organisiert Vorträge für Schulen und publiziert auf seinem Portal regelmäßig neue Erkenntnisse.

In den drei Jahren unserer Förderung hat das Institut wichtige Dokumente aus dem Staatlichen Bezirksarchiv Mladá Boleslav digitalisiert und veröffentlicht und eine Zusammenarbeit mit Archiven in Lysá nad Labem und Kolín angeknüpft. Mit seiner Forschungsarbeit inspirierte es die Entstehung der Ausstellungen (ne)Návraty ((Keine) Rückkehr) und Ztracení sousedé (Verlorene Nachbarn) im Regionalmuseum Mladá Boleslav. Für die junge Generation entstand ein Skript für die vierzehnteilige Audio-Serie Das Tagebuch der Anne Frank. All diese Aktivitäten tragen dazu bei, die Erinnerung an die Holocaust-Opfer und ihre Geschichten einem breiten Publikum zu vermitteln und so dafür zu sorgen, dass sie niemals in Vergessenheit geraten.

terezinstudies.cz/de

Das deutsch-tschechische Gedächtnis einer Gemeinde im Braunauer Ländchen

Der Verein Time Machine Česko (Zeitmaschine Tschechien) hat sich einer wichtigen Aufgabe verschrieben: die Vergangenheit der kleinen Gemeinde Křinice (Weckersdorf) bei Broumov (Braunau) zu dokumentieren. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs lebten dort überwiegend deutsche Einwohner, nach ihrer Vertreibung wurde der Ort mit Menschen aus allen Teilen der damaligen Tschechoslowakei besiedelt. Ziel des gesamten Projekts war es, den heutigen Einwohnern wie auch den Nachkommen der ursprünglichen Bewohner die Ereignisse zu vermitteln, die sich im 20. Jahrhundert in Křinice zugetragen haben, und beide Gruppen miteinander in Dialog zu bringen.

Dank unserer Förderung konnte der Verein umfangreiche Recherchen in deutschen und tschechischen Archiven durchführen und Interviews mit Zeitzeugen aufzeichnen. Ihre Erinnerungen und Zeugnisse sind in zwei Ausstellungen in deutscher und tschechischer Version eingeflossen. Zudem hat er eine Publikation zur Geschichte der Gemeinde Křinice herausgegeben und eine Topothek, ein digitales Archiv mit Fotos und Dokumenten von Zeitzeugen, angelegt. Der Verein Time Machine Česko erneuert zerrissene Bande aus der Vergangenheit und trägt dazu bei, Erinnerung und gemeinsame Identität der Bewohner des Braunauer Ländchens zu bewahren.

timemachine.cz

Jüdische Geschichte in Mähren

Mehrin, der alte hebräische Name für Mähren, ist jetzt mit einer neuen Vision verbunden: dem Bau eines modernen Museums zur tausendjährigen jüdischen Geschichte dieser Region. Es werden die jüdischen Communities der verschiedenen Städte und die Geschichten einzelner Familien zum Leben erweckt und konkrete Schicksale mit allen Sinnen erlebbar gemacht durch Original-Artefakte, digitale Technologien und audiovisuelle Elemente. Das Museum, das eine Art „Wohnzimmer der Stadt“ von Brünn werden soll, hat der japanische Architekt Kengo Kuma entworfen und damit einen Architekturwettbewerb gewonnen. Bevor die Vision Realität wird, ist jedoch ein experimenteller Raum – Malý Mehrin (Klein-Mehrin) – entstanden.

Dank unserer Förderung entstand in einem Gebäude in der Brünner Vídeňská ulice (Wiener Straße) ein provisorisches Museum, das eine interaktive 3D-Ausstellung, Vorträge und Diskussionen sowie weitere Ausstellungen und Begegnungen bietet. Zudem wurden mehrere Bücher herausgegeben. Klein-Mehrin hat sich in ein Labor verwandelt, in dem ein Team von Enthusiasten und der Initiator des Projekts, Martin Reiner, testen, wie ihre Vision in der Praxis funktionieren wird. Mehrin wird zum Symbol für die Bewahrung des jüdischen Erbes – und zu einem Ort, an dem sich Geschichte in Inspiration verwandelt.

mehrin.cz/de

Erkundung der deutsch-tschechisch-jüdischen Geschichte von Prag

Das Multikulturelle Zentrum Prag bietet mit seinem Projekt Geteiltes Prag einen innovativen Ansatz zum Verständnis der Geschichte. Statt die „große Geschichte“ zu erklären, konzentriert es sich auf Public History und erinnert an historische Ereignisse unmittelbar an den Orten, wo sie sich zugetragen haben. Das Projekt zeigt das multikulturelle Gesicht Prags. Jahrhundertelang haben sich hier die deutsche, tschechische und jüdische Gemeinschaft gegenseitig beeinflusst.

Unsere Förderung ermöglichte die Modernisierung und Erweiterung einer interaktiven Website, die die einzelnen Epochen der gemeinsamen Geschichte per Mausklick für jeden visuell erlebbar macht. Darüber hinaus entstanden Bildungsprogramme für Schulen. Den größten Zuspruch erhielten jedoch kommentierte Spaziergänge für die Öffentlichkeit. Das Projekt lässt die Geschichte Prags wiederaufleben – als Ort eines reichen Zusammenlebens und kulturellen Austauschs, die zu Dialog und Verständigung inspirieren.

praha.mkc.cz/de

Der Holocaust an den Roma in der virtuellen Realität des Lagers Lety bei Písek

Der Verein ROMEA widmet sich seit mehr als zwei Jahrzehnten der Bewahrung von Geschichte und Kultur der Roma. Wir haben ein von ihm konzipiertes Bildungsprojekt gefördert, mit dem er der jungen Generation auf innovative Weise – mithilfe einer virtuellen Realität des Konzentrationslagers Lety bei Písek – den Holocaust an den Sinti und Roma vermitteln möchte.

Dank unserer dreijährigen Förderung ist ein Unterrichtsprogramm entstanden und der Verein hat eine neue Partnerschaft mit der deutschen Organisation RomaTrial geknüpft. Gemeinsam haben sie Dutzende Workshops an deutschen und tschechischen Schulen organisiert, Grafikdesign und Klangkulisse des virtuellen Lagermodells verbessert und durch Zeitzeugeninterviews bereichert. Dank dieses komplexen Ansatzes ist es dem Verein gelungen, nicht nur ein technologisch modernes, sondern auch ein zutiefst menschliches Unterrichtsmittel zu schaffen, das die Erinnerung an den Porajmos – den Holocaust an den Sinti und Roma –  in wirkungsvoller Weise an künftige Generationen weitergibt.

sdruzeniromea.cz

Die Erfahrung von Zeitzeugen des Holocaust für die Generation des 21. Jahrhunderts

Der Verein Schola Fidentiae trägt durch die Vermittlung persönlicher Geschichten und Erfahrungen von Zeitzeugen zur Erinnerung an den Holocaust bei. Das authentische Zeugnis einer der Überlebenden, Evelina Merovás Buch Opožděné vzpomínky (Verspätete Erinnerungen), sowie 90 Publikationen aus ihrem Privatarchiv bilden die Grundlage für ein Bildungsprogramm, Seminare für deutsche und tschechische Lehrkräfte oder Workshops für Schüler.

Dank unserer dreijährigen Förderung konnte Schola Fidentiae ein stabiles Team von Experten für Zeitgeschichte und politische Bildung aufbauen. In Zusammenarbeit mit der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar und der Erfurter Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße hat der Verein zudem Begegnungen zwischen deutschen und tschechischen Schülern organisiert. Er hat öffentliche Diskussionen zum Thema Holocaust, Ausstellungen und eine Schülerkonferenz veranstaltet. Schola Fidentiae trägt dazu bei, die Erinnerung an den Holocaust zu wahren und eine Gesellschaft aufzubauen, die aus der Vergangenheit Mut schöpft, um gegen heutiges Unrecht zu kämpfen.

skolas.eu