Frischer Wind für die deutsch-tschechischen Beziehungen
(Prag) Eine neue Reihe von 234 deutsch-tschechischen Projekten wird die Sommer- und Herbstsaison in beiden Ländern bereichern. Der Zukunftsfonds stellt für Jugendbegegnungen, Kulturfestivals oder Veranstaltungen, die die deutsch-tschechische Zusammenarbeit auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren, insgesamt 1.470.828 Euro zur Verfügung. Dies haben die Mitglieder des Verwaltungsrats auf ihrer Sitzung in Prag beschlossen.
„Das Interesse an Schüleraustauschen, Sommercamps, Erkundungsreisen wie auch an beruflicher, künstlerischer oder freizeitbezogener Zusammenarbeit zwischen jungen Menschen wächst stetig. Sie wollen erfahren, wie ihre Altersgenossen im Nachbarland leben, dessen Vergangenheit, Kultur und Bräuche kennenlernen. Sie beteiligen sich an Aktivitäten von Bürgerinitiativen oder Vereinen und geben diesen damit neue Impulse. Wir haben den jungen Menschen unser diesjähriges Jahresthema gewidmet und bereits Dutzende gemeinsamer Projekte dazu erhalten, die den Weg zu neuen Partnerschaften ebnen. Es freut uns sehr, dass den jungen Menschen auch an der Zukunft der deutsch-tschechischen Beziehungen gelegen ist, sie sind bereit, viel Gutes dafür zu tun, und bringen Ideen ein, die sie gemeinsam umsetzen“, sind sich Petra Ernstberger und Jindřich Fryč, die Verwaltungsratsvorsitzenden des Zukunftsfonds, einig.


Alle neu bewilligten Projekte sind auf der Website des Zukunftsfonds veröffentlicht. Einige davon möchten wir Ihnen hier vorstellen:
Budoucnost jsme my! Die Zukunft sind wir! – Der Verein Sojka feiert mit Partnern aus Bayern sein 30-jähriges Bestehen
Die Jubiläumsfeier des tschechischen Vereins Sojka bringt drei Generationen von Deutschen und Tschechen zusammen, denen gute Beziehungen zu ihren Nachbarn jenseits der Grenze am Herzen liegen. Seit 30 Jahren organisiert der Verein gemeinsam mit Nachkommen deutscher Bewohner, die nach dem Krieg aus der Tschechoslowakei vertrieben wurden, ein Sommerlager für Jugendliche im bayerischen Dorf Gaisthal. Die Wochenendveranstaltung baut auf den Erfahrungen der Leiterinnen und Leiter auf und soll den heutigen Mitgliedern als Inspiration dienen. Insgesamt 120 Menschen werden über die Rolle der Zivilgesellschaft, über europäische Zusammenarbeit, kulturelle Identität und die Bedeutung persönlicher Kontakte für die Gestaltung der Zukunft diskutieren. Wie wichtig diese sind, hat nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit den deutschen Partnern, den Vereinen „Mit Ohne Grenzen“ und „SdJ – Jugend für Mitteleuropa“, gezeigt. Das Projekt entspricht der Idee unseres aktuellen Jahresthemas „Die Generation unseres Jahrhunderts“ und ist ein gutes Beispiel für eine generations-, völker- und länderübergreifende Verständigung.
Förderbetrag des Zukunftsfonds: 140.000 CZK
Schüler aus Sachsen und Tschechien begeben sich gemeinsam auf die Spuren der erzgebirgischen Geschichte
Das Interesse an der Geschichte des Erzgebirges (tschechisch Krušnohoří) verbindet schon seit 15 Jahren Vereine aus Český Jiřetín (Georgendorf) und Rechenberg-Bienenmühle – gemeinsam geben sie eine Zeitung in zwei Sprachversionen heraus. Anlässlich des 400-jährigen Jubiläums der Neugrabenflöße, des Floßkanals zwischen Fláje und Clausnitz, der zusammen mit der Eisenbahn die Region zwischen Sachsen und Tschechien verbindet, sind nun zudem zwei Schülertreffen – von Gymnasiasten aus Teplice (Teplitz) und Brand-Erbisdorf und von Grundschülern aus Dubí (Eichwald) und Rechenberg-Bienenmühle – geplant. Im Herbst erwartet sie ein erlebnisreiches Programm, das ihre Schritte unter anderem an geschichtsträchtige Orte lenken wird. In der Schulküche bereiten sie zudem ein traditionelles Gericht, Kartoffelpuffer, zu. Auch dieses in zweierlei Version: deutsch – süß und mit Quark, tschechisch – herzhaft mit Knoblauch. Weitere lokale Bräuche lernen sie beim Besuch eines Landwirtschaftsmuseums oder einer Genossenschaft kennen, wo sie erfahren, wie sich das Leben auf dem Land von der Vergangenheit bis in die Gegenwart entwickelt hat.
Förderbetrag des Zukunftsfonds: 95.000 CZK
Das Vermächtnis Václav Havels – Präsentation in Frankfurt und weiteren Städten
Am 5. Oktober 2026 würde der Schriftsteller, Dramatiker und einstige tschechische Präsident Václav Havel seinen 90. Geburtstag feiern – eine einzigartige Gelegenheit, seine Persönlichkeit im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse der Öffentlichkeit vorzustellen. Die Prager Václav-Havel-Bibliothek bereitet aus diesem Anlass eine Reflexion seines Vermächtnisses im deutschsprachigen Raum vor und hat sich mit dem Mitteldeutschen Verlag zusammengetan, der insgesamt fünf Diskussionsrunden organisiert, zwei davon direkt in Frankfurt, die anderen in Berlin, Halle und München. Havel soll dabei als einzigartige und vielschichtige Persönlichkeit vorgestellt werden, sowohl in der Politik als auch im gesellschaftlichen Leben und der Literatur. Teil des Programms ist auch eine Präsentation seines letzten Buches „Ich habe es irgendwo versteckt“, das dank der ebenfalls vom Fonds geförderten Übersetzung zur weiteren Entwicklung der deutsch-tschechischen Kulturbeziehungen beitragen wird.
Förderbetrag des Zukunftsfonds: 210.000 CZK
Erkundungsreise von Bürgern aus Rheinland-Pfalz in die Region Mittelböhmen
Die Region Mittelböhmen und das Bundesland Rheinland-Pfalz verbindet seit 2003 eine Partnerschaft, die mittlerweile feste Wurzeln in der Zivilgesellschaft geschlagen hat. Für diesen Herbst bereitet der Partnerschaftsverband Rheinland-Pfalz eine intensive Erkundungsreise vor, die allen Interessierten Gelegenheit bietet, direkte Kontakte zu Vertretern von Stadtverwaltungen, Vereinen, Interessenverbänden, Partnerschulen oder Kulturorganisationen in den Städten Kladno und Nymburk zu knüpfen. Sie lernen historische Orte wie die Gedenkstätte Lidice oder die Deutsche Botschaft Prag kennen. Begleitveranstaltungen und Diskussionen sollen das Wissen über die Region erweitern und den Weg für eine Zusammenarbeit an gemeinsamen Themen ebnen. Noch vor der Exkursion plant der Verband einen Besuch der Frankfurter Buchmesse, wo die Teilnehmenden das diesjährige Gastland Tschechien aus literarischer und kultureller Perspektive kennenlernen können.
Förderbetrag des Zukunftsfonds: 7.500 Euro
Dokumentarfilm „Die Geschichte von Arnošt Lustig“
Er überlebte Theresienstadt, Auschwitz und Buchenwald und der Holocaust wurde zur Quelle seines Schaffens. Der tschechische Schriftsteller jüdischer Herkunft verlor nie seinen Sinn für Humor und lebte bis zu seinem letzten Atemzug in vollen Zügen. Genauso werden wir uns Arnošt Lustig zu seinem 100. Geburtstag in Erinnerung rufen. Der unabhängige Filmproduzent und Regisseur Martin Pátek dreht einen Dokumentarfilm, der auf Originalaussagen Lustigs, ergänzt durch Archivaufnahmen und neu gedrehte Filmsequenzen, basiert. Arnošt Lustig erzählt von seiner Jugend, dem wachsenden Antisemitismus nach der Veröffentlichung von Hitlers „Mein Kampf“ und den späteren Deportationen. Begleitet von der Kamera, begeben sich auch seine Tochter und sein Sohn auf den Weg von Theresienstadt nach Auschwitz. Geschichten aus Lustigs Büchern werden durch Ausschnitte aus den jeweiligen Verfilmungen in den Dokumentarfilm eingewoben. Projektpartner Stefan Kruhl und der Verein Kulturpark 3000 stellen das deutsche Archivmaterial, den deutschsprachigen Kommentar und die Promotion des Films in Berlin sicher. Der Dokumentarfilm entsteht in Koproduktion mit dem Tschechischen Fernsehen.
Förderbetrag des Zukunftsfonds: 176.800 CZK
Verlassene Wunder – Fotoausstellung über den Wandel der Landschaft im Böhmerwald
Am Anfang stand ein zweisprachiges Buch des tschechischen Autors Martin Sichinger und des bayerischen Fotografen Klaus Ditté. Ditté hielt darin den Wandel der Böhmerwaldlandschaft, verschwundene Orte nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung und die allmähliche Wiederbelebung nach dem Fall des Eisernen Vorhangs fest. Seine Aufnahmen wird er ab Mitte Juli in der Ausstellung „Verlassene Wunder“ im Besucherzentrum des Nationalparks Lusen, Hans-Eisenmann-Haus, bei Neuschönau präsentieren. Er hält dabei nicht nur das historische Trauma fest, sondern zeigt auch, wie die Grenzregion langsam ein neues Gesicht bekommt. An dem Projekt sind Vertreter von Nationalparks und Gemeinden aus beiden Ländern beteiligt. Zudem ist es mit dem Festival „Šumava Litera“ und verschiedenen Workshops verbunden, die das historische und kulturelle Gedächtnis wie auch den grenzüberschreitenden Dialog in der deutsch-tschechischen Region des Böhmerwaldes stärken.
Förderbetrag des Zukunftsfonds: 3.500 Euro
Konzerte des Festivals „Musiksommer Kašperské Hory 2026“
In Kašperské Hory (Bergreichenstein) gehört es schon seit 25 Jahren zum Sommer und geht nun mit einer neuen Leitung in sein Jubiläumsjahr: Die Oboistin Monika Boušková möchte im Rahmen des Festivals renommierte Künstlerinnen und Künstler mit der jungen Generation zusammenbringen und dem Festival eine deutsch-tschechische Dimension verleihen. Sie stammt selbst aus der Grenzstadt und ihr besonderes Augenmerk gilt der Zusammenarbeit mit Musikerinnen und Musikern aus Deutschland. Partnerin ist die Bamberger Organistin und Chorleiterin Markéta Schley Reindlová, mit der sie zum ersten Mal gemeinsam einen Zuschuss beim Fonds beantragt. In Vorbereitung sind eine Serie von Kammerkonzerten in historischen Sakralbauten oder ein gemeinsamer Auftritt tschechischer Künstler mit dem Chor ProvoCantus aus Grafenau, der Partnerstadt von Kašperské Hory. Das Festival stärkt langfristig die kulturelle Identität und den grenzüberschreitenden Dialog in der gesamten Region.
Förderbetrag des Zukunftsfonds: 90.000 CZK
Ausstellung „Fanatiker der Wirklichkeit. Dix-Schüler*innen aus Böhmen“
Die mehr als 30 Gemälde aus den Sammlungen der Städte Gera, Dresden und Liberec (Reichenberg) oder der Nationalgalerie Prag wurden von der Kunsthistorikerin Anna Habánová ausgewählt, die sich auf deutsche Künstlerinnen und Künstler in den böhmischen Ländern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spezialisiert hat. Im Geraer Otto-Dix-Haus, dem Geburtshaus dieses bedeutenden Vertreters der deutschen Neuen Sachlichkeit, werden zudem auch Werke vorgestellt, die bei der Vertreibung der Sudetendeutschen oder bei der Bombardierung Dresdens verloren gegangen sind. Die Kuratorin stellt erstmals gemeinsam drei weniger bekannte Künstlerinnen und Künstler aus: Olga Hayduk, geboren in Šluknov (Schluckenau), Erika Streit, geboren in Chudeřice (Kutterschitz) bei Bílina, und Herbert Seemann, geboren in Karlsbad, die im Atelier von Otto Dix studierten und anschließend in einem deutschen Umfeld tätig waren. Teil des Projekts sind auch Führungen, Programme für Schulen und Begleitveranstaltungen. Für Organisation und Öffentlichkeitsarbeit der Ausstellung ist der deutsche Antragsteller, die Kunstsammlung Gera – Otto-Dix-Haus, zuständig, die die städtischen Kunstsammlungen und mehrere Museumsobjekte in der Stadt Gera verwaltet.
Förderbetrag des Zukunftsfonds: 6.000 Euro


