15. Mai 2026

So macht man Frühling

Das Festival der deutsch-tschechischen Kultur läutete bereits zum zehnten Mal den Bremer Frühling ein! Unser Projekt des Monats April.

Literaturlesungen, Theater, eine Ausstellung, Konzerte, Dokumentarfilme, Workshops oder Diskussionen zu aktuellen Themen  – zehn Tage lang zogen Impulse aus der tschechischen Kulturszene und Gesellschaft Bremen in ihren Bann. Das Festival wird alljährlich vom Bremer Bündnis für deutsch-tschechische Zusammenarbeit und seinem Partner, dem Designstudio Hrdina Pavlík, organisiert, das für die visuelle Gestaltung und Online-Präsentation zuständig ist. Auftakt des diesjährigen Programms war eine Diskussion über die Beziehungen zwischen Deutschland und Tschechien vor dem Hintergrund der sich wandelnden politischen Lage, an der sich auch der tschechische Botschafter Jiří Čistecký, die Verwaltungsratsvorsitzende des Fonds Petra Ernstberger und unser Geschäftsführer Tomáš Jelínek beteiligten.

Die an inspirierenden Begegnungen und Kunsterlebnissen reichen Tage eröffnete eine versierte Rede des Schriftstellers Jaroslav Rudiš, der das Festival seit seinen Anfängen besucht. Die deutsche Autorin Judith Hermann stellte persönlich ihren neuen Roman vor, in dem sie tabuisierte Taten in ihrer eigenen Familie während des Krieges aufdeckt. Auf dieselbe Zeit bezog sich auch der Dokumentarfilm „Tanec nad propastí“ (Tanzen über dem Abgrund)  über eine Jazzband im Ghetto Theresienstadt in der Regie von Josef Lustig, Sohn des jüdischen Schriftstellers und Holocaust-Überlebenden Arnošt Lustig. Die angespannte Atmosphäre des Prager Frühlings 1968 vermittelte Jiří Mádls Film „Vlny“ (Wellen), der eine Journalistenrevolte gegen die Zensur zum Thema hat.

Nicht nur mit Worten, sondern auch mit Bildern präsentierte sich die zeitgenössische Kunstszene. Der originelle Maler und Zeichner Jaromír 99 hat in seinen Grafiken den Zauber der verlassenen Landschaft rund um die Stadt Jeseník (Freiwaldau) in der tschechisch-polnischen Grenzregion eingefangen, wo vor dem Krieg überwiegend deutsche Einwohner lebten. Seine Arbeiten waren in einer gemeinsamen Ausstellung mit den rätselhaften Frottagen Radek Fridrichs zu sehen, der sie auch mit eigenen Gedichten begleitete.

Und auch an die kleinsten Besucher wurde gedacht. Für sie hatte das Festival ein Schattentheater über die Kraft der Phantasie vorbereitet – nach Motiven mährischer Märchen, die in der Darbietung junger deutscher Schauspielerinnen zu neuem Leben erwachten.

Das Festival, das dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feierte, ist bereits Tradition geworden und hat einen festen Platz im Kulturkalender der Frühjahrssaison. Es konnte in Bremen ein neues Publikum gewinnen und hat in der gesamten Küstenregion das Bewusstsein über die Vielfalt der tschechischen Gegenwartskunst wie auch über Themen erweitert, die die tschechische Gesellschaft bewegen und nun Eingang in den deutschsprachigen Kontext finden. Es stellte junge Kunstschaffende wie auch Werke bekannterer Künstler vor und ermöglichte es ihnen, neue Kontakte zu knüpfen und Gelegenheiten zur Zusammenarbeit mit deutschen Kollegen zu erschließen. Dank des inspirierenden Umfelds und der angenehmen Atmosphäre zieht das Festival die Aufmerksamkeit von Kunstschaffenden, Publikum wie auch lokalen Medien auf sich.

Fotos: Marvin Dreblow, Bremer Bündnis für deutsch-tschechische Zusammenarbeit

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