Neues Leben für die Kirche in Starý Rokytník
Die heutigen tschechischen Bewohner der Gemeinde haben gemeinsam mit ehemaligen deutschen Mitbürgern eine verfallene Kirche gerettet und verwandeln sie in einen deutsch-tschechischen Begegnungsort. Unser Projekt des Monats Dezember.

Die Kirche St. Simon und Judas in Starý Rokytník (Alt-Rognitz) im Vorgebirge des Riesengebirges war dem Untergang geweiht. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs diente sie den überwiegend deutschen Einwohnern der Gemeinde – an das Schicksal ihrer Familien erinnert noch heute der angrenzende Friedhof. Nach ihrer Zwangsaussiedlung verwahrloste die Kirche. Die Ausstattung fiel nach und nach Dieben zum Opfer, den Innenraum zerstörten Vandalen, die Mauern wurden von Regen und Frost zerfressen.
Die ersten schriftlichen Erwähnungen der Kirche reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Nach ihrer Verwüstung während der Hussitenkriege wurde sie erneuert und 1752 im Barockstil umgebaut. In den letzten Jahrzehnten verfiel sie zusehends, wird jedoch nun von den heutigen Einwohnern der Gemeinde zu neuem Leben erweckt. Der Verein „Přátelé Starého Rokytníku“ (Freunde von Starý Rokytník), der die verlassene Ruine und den Friedhof 2020 erwarb, schloss sich mit Nachkommen der ehemaligen deutschen Einwohner vom Verein Riesengebirgler Heimatkreis Trautenau zusammen. Und gemeinsam gelang es ihnen, die Kirche zu retten!


Mit unserer Förderung rekonstruierten sie die einsturzgefährdete Decke über dem Hauptschiff, dem Presbyterium und der Sakristei, die Kirche war daher ein Jahr lang geschlossen. In den Jahren 2024 und 2025 erfolgte die Auswechslung der Dachdecke auf der Nord- und Südseite: Der brüchige Eternitbelag wurde in Absprache mit dem Institut für Denkmalschutz durch Blechschablonen ersetzt. Die Kirche hat nun ein neues Dach – ein entscheidender Schritt für den Schutz des gesamten Gebäudes!



Durch die Rekonstruktion wurde die Kirche der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und verwandelte sich in einen Begegnungsort. Der Verein Přátelé Starého Rokytníka, dessen Seele und Koordinatorin Štěpánka Tryznová ist, organisiert kulturelle, gesellschaftliche und religiöse Veranstaltungen, Workshops für Kinder und kommentierte Führungen. Sie erinnern an Vergangenheit, Erbe und Traditionen der Gemeinde, die heute ein Teil der Stadt Trutnov (Trautenau) ist. Direkt in der Kirche entstanden ein Videoclip zum Weihnachtslied oder ein Beitrag für eine Sendung des tschechischen Fernsehens.



Im Dezember fanden dort drei Konzerte statt, den Auftritt des Chores Chorea Corcontica (Riesengebirgschor) können Sie sich in einer Videoaufzeichnung des Adventkonzerts Starý Rokytník anschauen.


Die Renovierung der Kirche wird langfristig von den ehemaligen deutschen Einwohnern und ihren Nachkommen unterstützt. Einige von ihnen haben Starý Rokytník (Alt-Rognitz) im Jahr 2025 mehrmals besucht. Sie beteiligen sich an der Bewahrung der mit dem Ort verbundenen Erinnerungen und tragen mit Spenden zu einer öffentlichen Sammlung für die Rekonstruktionsarbeiten bei. Eine aktive Rolle spielt dabei der Sprecher des Heimatkreises Trautenau, ein versierter Historiker, Andreas Hoffmann. Er hält die deutsche Öffentlichkeit über das dortige Geschehen und die Sanierungsarbeiten auf dem Laufenden, publiziert in der Zeitschrift „Riesengebirgsheimat“ Interviews mit Zeitzeugen, organisiert Vorträge oder Präsentationen von Büchern und Fotos.


Die heutigen tschechischen und ehemaligen deutschen Einwohner verbreiten gemeinsam Wissen über ihren Herkunftsort und konnten bereits weitere Freunde und Unterstützer gewinnen. Die Kirche in Starý Rokytník ist heute ein geschütztes Kulturdenkmal. Ihre Geschichte, die Aktivität der Bürgervereine und das ganzjährige Kultur- und Bildungsprogramm ziehen die Aufmerksamkeit von Medien, Öffentlichkeit, Besucherinnen und Besuchern der tschechischen Grenzregion auf sich.


