Das Ghetto Theresienstadt online
Eine deutsche und eine tschechische Website bilden ein digitales Portal zum Theresienstädter Ghetto. Unser Projekt des Monats Januar.

Die umfassendste Informationsquelle über das einstige Ghetto Theresienstadt finden Sie im Online-Lexikon ghetto-terezin.cz. Die tschechische Version, die in Zusammenarbeit mit dem Institut Terezínské iniciativy (Institut Theresienstädter Initiative) entstand, ist seit Anfang Januar online; die deutsche Version ist bereits seit über zwei Jahren unter ghetto-theresienstadt.de verfügbar. Unser Projekt des Monats Januar ist ein Beitrag zum Internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust, den wir alljährlich am 27. Januar begehen.
Die Website zum Erinnerungsort Theresienstadt – Ort und Symbol des Holocaust in den böhmischen Ländern – wurde von jungen Menschen aus dem deutschen Förderverein Jugendbegegnung Theresienstadt/Terezín e.V. initiiert. Nach drei Jahren intensiver Arbeit entstand ein umfassendes Werk, das sowohl für eine breite Öffentlichkeit als auch für Fachkreise eine wichtige Informationsquelle darstellt.


Das Online-Lexikon bündelt an einem Ort übersichtlich strukturierte Informationen für alle, die ihr Wissen über das Ghetto Theresienstadt vertiefen oder die Geschichten der Menschen kennenlernen möchten, die dort zwischen 1941 und 1945 interniert waren. Es eröffnet den Blick auf die Geschichte der Festung, die die Nationalsozialisten, geleitet von der Rassenideologie, in ein Konzentrationslager verwandelten, und bietet Zugang zu erhalten gebliebenen Fotos und Dokumenten, zu Bibliografien, Literatur, Filmen, Zeichnungen sowie Erinnerungen von Zeitzeugen. Ein virtueller Rundgang durch die Innenräume der Kleinen Festung veranschaulicht zudem die Lebensbedingungen der Menschen, die dort von der Gestapo inhaftiert wurden.
Im Ghetto Theresienstadt waren insgesamt mehr als 160.000 Menschen interniert. 35.000 von ihnen kamen dort ums Leben. Weitere 88.000 Menschen jüdischer Herkunft wurden in 63 Transporten in Vernichtungslager deportiert; nur 3.100 von ihnen überlebten.


Die rund tausend Textseiten über das Ghetto bieten eine umfassende Grundlage für das Selbststudium und können von Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern, Studierenden, Forschenden, Nachkommen der Opfer wie auch von Besucherinnen und Besuchern oder Touristen genutzt werden. Die Zweisprachigkeit des Portals ermöglicht es, das Thema in Bildungs- und Austauschprogramme für deutsche und tschechische Jugendliche zu integrieren, was auch das Ziel des Fördervereins Jugendbegegnung Theresienstadt/Terezín e.V. ist. Sein Partner und fachlicher Berater, das Institut Terezínské iniciativy, beteiligt sich an der Verbreitung des Online-Lexikons im tschechischen Umfeld und gibt es an seine Partnerorganisationen weiter. Die Website wird zudem von der Gedenkstätte Theresienstadt genutzt. Diese bot Besucherinnen und Besuchern aus dem Ausland bislang vor allem Informationen auf Englisch, die nun auch auf Deutsch zur Verfügung stehen.
Der Zukunftsfonds hat die Übersetzung aller Texte für die tschechische Version des Online-Lexikons gefördert, die seit Januar 2026 unter ghetto-terezin.cz verfügbar ist. Es war eines von 118 Projekten, die wir im Rahmen unseres Jahresthemas 2025 „Wie sagt man heute ‚never again‘?“ anlässlich des 80. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs gefördert haben.


