Prager anthroposophische Moderne 1907–1953

Die umfangreiche zweisprachige Publikation entdeckt eine Prager Kunstströmung aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts neu. Unser Projekt des Monats September.


Das visuell und inhaltlich starke Buch ist ein Fest für Auge und Geist! Es stellt wenig bekannte deutsche und tschechische Künstlerinnen und Künstler vor, deren gemeinsamer Nenner die Anthroposophie war. Von 1907 bis 1924 fand diese geistige Strömung ihren Weg in die Öffentlichkeit durch Vorträge des Philosophen Rudolf Steiner in Prag. Hundert Jahre nach dessen Tod erwacht sie in der vom Verlag Arbor Vitae herausgegebenen Monografie Prager anthroposophische Moderne wieder zum Leben. Autor ist der Kunsthistoriker David Voda, der in seinem Schlüsselwerk einen ganzheitlichen Blick auf ein bislang vernachlässigtes Kapitel der modernen Kunst mit Epizentrum in Mitteleuropa bietet.

Das multikulturelle Prag der Zwischenkriegszeit war ein Ort, an dem die Ideen des charismatischen Denkers mit der überzeugenden Rhetorik auf fruchtbaren Boden fielen. Sie beeinflussten eine ganze Generation von Kunstschaffenden – Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Grafiker, Holzschnitzer, Fotografen oder Verleger brachten sie in ihre Werke ein. Das Buch beleuchtet die gesamte Bandbreite dieses Spektrums, von Zeichnungen und Gedichten über Design von Gebrauchsgegenständen bis hin zu Schmuck, Siegeln oder Kunststickereien.

Steiners Anthroposophie, sein mystisches und spirituelles Weltbild, hatte eine starke Wirkung auf die Prager deutschsprachige jüdische Künstler-Enklave. Das Buch zeigt unter anderem auch, dass Schriftsteller wie Max Brod, Paul Leppin oder Franz Kafka ihm nahestanden. Und wahrscheinlich auch seine Vorträge über Esoterik oder Theosophie besuchten. Das umfangreiche Werk Rudolf Steiners spiegelt sich bis heute in der Waldorfpädagogik, der biodynamischen Landwirtschaft oder in der Eurythmie wider, die Musik und Sprache mit künstlerischer Bewegung verbindet.

„Rudolf Steiner ,vermachte‘ nämlich gerade Prag, das er zwischen 1907 und 1924 zwölf Mal besuchte, eine Generation spiritueller Künstler und Künstlerinnen und ,veränderte das Karma‘ der Stadt an der Schwelle zwischen Westen und Osten, zwischen deutschem und slawischem Element, zwischen alter Zeit und Moderne zwischen ,dieser und der anderen Welt‘.“ (Verlag Arbor Vitae) 

Die über fünfhundertseitige Publikation lässt eine bislang nahezu unbekannte avantgardistische Kunst und ein kulturelles Erbe aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder aufleben.

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