26. März 2026

Zukunftsfonds fördert 223 neue Projekte 

Der Verwaltungsrat des Zukunftsfonds tagte im Deutschen Bundestag

(Berlin/Prag) Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds fördert 223 neue Projekte. Für diese wird ein Gesamtbetrag von 1.402.493 Euro zur Verfügung gestellt. Dies beschloss der Verwaltungsrat des Fonds auf seiner Sitzung am Dienstag und Mittwoch im Deutschen Bundestag in Berlin. Alle neu bewilligten Projekte sind auf der Website des Zukunftsfonds veröffentlicht.

Foto: Karolina Granja

Aktuelle Herausforderungen in den deutsch-tschechischen Beziehungen und die weitere Tätigkeit des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds waren dann Thema eines parlamentarischen Abends in den Räumlichkeiten des Deutschen Bundestags, zu dem rund zwei Dutzend Abgeordnete und ihre wissenschaftlichen Mitarbeiter kamen. Der Abend wurde vom Staatsminister im Auswärtigen Florian Hahn und dem tschechischen Botschafter in Deutschland Jiří Čistecký eröffnet, weiter traten unter anderem die tschechische Schriftstellerin Radka Denemarková und der Chef der Frankfurter Buchmesse Jürgen Boos auf. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft des Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden der Deutsch-Tschechischen Parlamentariergruppe Stephan Mayer. „Dass heute ein so breiter und lebendiger Austausch zwischen Deutschen und Tschechen – gerade auch unter jungen Menschen – stattfindet, verdanken wir dem Zukunftsfonds. Er zeigt, was wir gemeinsam alles erreichen können. Eine Stärkung des Zukunftsfonds ist eine Investition in stabile bilaterale Beziehungen, auf denen ein starkes Europa beruht“, so Mayer weiter.

Unter den aktuell neu bewilligten Projekten sind auch erste Projekte zum Thema des Jahres 2026 – Die Generation unseres Jahrhunderts. „Es zeigt sich, dass wir mit der Wahl des diesjährigen Themas ins Schwarze getroffen haben. Das Interesse an unserer Ausschreibung ist groß und die Palette an Themen und Herangehensweisen breitgefächert“, kommentierten Petra Ernstberger und Jindřich Fryč, die neugewählten Co-Vorsitzenden des Verwaltungsrats. Junge Menschen, ihre Träume, Hoffnungen und Erwartungen, aber auch ihre Zweifel und Ängste, zum Ausdruck gebracht in kreativen Formaten – so lautet das Anliegen der diesjährigen Sonderausschreibung des Fonds. Teilnehmen wollen beispielsweise Schülerinnen und Schüler der nachfolgend genannten Schulen.

Auswahl neu bewilligter Projekte:

Generation 21: Stimmen für die Zukunft – Voices for future

Das fünftägige Treffen im deutschen Kranichfeld bringt Schülerinnen und Schüler aus der Základní škola (Grundschule) Uherský Brod und der Regelschule Kranichfeld zusammen. Gemeinsam werden sie sich mit Themen wie Identität, generationsspezifischer Erfahrung, der Zukunft Europas, der Bedeutung von Werten oder Nachhaltigkeit beschäftigen. Im Rahmen von Workshops, Gruppendiskussionen, Erlebnisaktivitäten, kreativem Schreiben, künstlerischen Techniken und Teamarbeit werden sie sich mit ihren Lebenserfahrungen und Standpunkten auseinandersetzen und sie mit den Perspektiven ihrer Altersgenossen aus dem Nachbarland vergleichen. Abschließend erstellen sie gemeinsam eine kurze Videodokumentation – das gemeinsame Manifest „Generation 21“, das auf den Websites beider Schulen publiziert und im Rahmen einer Reportage im Regionalfernsehen vorgestellt wird. Außerdem sind eine Ausstellung mit Fotos und Zitaten sowie ein Abschlussforum mit dem Titel „Voices for future“ geplant. Letzteres soll eine öffentliche Diskussion zu Themen eröffnen, die die jungen Leute als grundlegend für die Zukunft betrachten.

Förderbetrag des Zukunftsfonds: 91.000 CZK

Identität zwischen Kafka und Goethe – eine neue Schulpartnerschaft

Einen literarischen Weg zur Bearbeitung von Themen der jungen Generation haben die Realschule Elsenfeld und das Christian-Doppler-Gymnasium Prag gewählt, zwei Schulen, die erst seit kurzem zusammenarbeiten. Anhand einer Analyse von Werken F. Kafkas (Die Verwandlung) und J. W. von Goethes (Der Erlkönig) werden sich 40 Schülerinnen und Schüler Fragen zur Selbstwahrnehmung und zu aktuellen Themen stellen, die Ängste, aber auch Hoffnungen in ihnen wecken. Das Projekt umfasst zudem eine starke intergenerationelle Komponente: Worin ähneln die jungen Leute den vorhergehenden Generationen und wo unterscheiden sie sich von ihnen? Was für Beziehungen haben sie zu ihren Eltern? Empfinden sie einen Generationskonflikt und können sie diesen selbst auf den Punkt bringen? Die Ergebnisse des Projekts in Form von Collagen, Installationen, Masken, Comics oder Kurzgeschichten werden anschließend in den Räumlichkeiten beider Schulen ausgestellt.

Fördersumme des Zukunftsfonds: 110.000 CZK

Die deutsch-tschechische Freundschaft wächst – auch unter Glaskünstlern, Gleitschirmfliegern und freiwilligen Feuerwehrleuten

Jugendfeuerwehrzeltlager

Bei einem sechstägigen internationalen Jugendfeuerwehrcamp Ende Juli im thüringischen Behringen treffen sich freiwillige Feuerwehrleute aus Deutschland und Tschechien. Die Feuerwehr Tehovec entsendet 43 Jugendliche und 15 Betreuer, ihr Gastgeber, der Feuerwehrverein Behringen, wird sich mit 178 Kindern und 40 Betreuern beteiligen. Auf dem Programm stehen sportliche Aktivitäten, Jugendfeuerwehrwettbewerbe, Ausflüge, Lagerfeuer, eine Disco wie auch ein deutsch-tschechischer Abend. Die Organisatoren möchten einen sorgenfreien Raum fernab des Alltagslebens schaffen, der durch die aktive Einbeziehung aller Kinder – ungeachtet ihrer Herkunft, ihrer Einschränkungen oder ihres sozialen Status – Empathie und Teamgeist stärkt und ein Bewusstsein für ein friedliches und solidarisches Europa entstehen lässt.

Fördersumme des Zukunftsfonds: 7.000 Euro

Kinder gestalten gemeinsam mit Glasmeistern Kunstwerke

Das im Juni stattfindende Young Glass Symposium 2026 (YGS 2026) ist bereits die dritte Ausgabe eines Glassymposiums für Kinder, das durch praktische Erfahrungen mit dem Kunsthandwerk das künstlerische Talent der jungen Teilnehmer fördert und zugleich die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Regionen mit einer tiefverwurzelten Glastradition stärkt. Auf tschechischer Seite sind dies Kamenický Šenov (Steinschönau) und Kunratice bei Cvikov (Kunnersdorf), in Deutschland Zwiesel und Frauenau. Teilnehmen können jedoch auch Kinder aus Kunstschulen anderer Regionen. Im Rahmen eines Wettbewerbs zum Thema „Reich der Träume“ wählt die Jury zunächst 14 Kinder aus Tschechien und 4 Kinder aus Deutschland aus. Diese setzen ihre künstlerischen Entwürfe dann direkt in den professionellen Werkstätten der Fachoberschule für Glasgestaltung (SUPSŠ) Kamenický Šenov und der Kunraticer Glasmanufaktur Pačinek Glass um – unter fachkundiger Aufsicht von Glasmeistern, Technologen und Pädagogen. Darüber hinaus nehmen sie an Sprachanimationen und weiteren gemeinsamen Aktivitäten teil. Die Ergebnisse des viertägigen Symposiums werden im Nordböhmischen Museum Liberec und anschließend im Rahmen einer Wanderausstellung zu sehen sein.

Fördersumme des Zukunftsfonds: 127.900 CZK

Paragliding ohne Grenzen auf dem Rannayer Berg

Das Projekt „Marathon der Gleitschirm-Begegnungen“ – eine Serie von Paragliding-Treffen auf dem Rannayer Berg (Ranská hora) im Böhmischen Mittelgebirge – hat zum Ziel, die bislang eher sporadischen Kontakte zwischen deutschen und tschechischen Gleitschirmfliegern zu intensivieren und eine systematische Zusammenarbeit zwischen Sportvereinen beiderseits der Grenze aufzubauen. Es finden drei mehrtägige Treffen mit insgesamt 110 Enthusiastinnen und Enthusiasten aus beiden Ländern statt. Diese sollen die Grundlage für einen regelmäßigen Dialog und Informationsaustausch zwischen deutschen und tschechischen Paragliding-Vereinen bilden, die persönlichen Beziehungen und die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern der beteiligten Vereine stärken und das Wissen der ausländischen Piloten über die Spezifika des Fliegens im tschechischen Luftraum und über den Betrieb der umliegenden Flugplätze erweitern. Neu ist in diesem Jahr die Zusammenarbeit zwischen dem Paragliding Klub Raná aus Chožov bei Louny (Koschow) und dem Gleitschirmfliegerverein Xtrudis e.V. aus dem sächsischen Heidenau.

Fördersumme des Zukunftsfonds: 100.000 CZK

Havel, Holan und junges tschechisches Drama im Herbst auf Deutsch in Frankfurt am Main

Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds ist Partner des diesjährigen Ehrengastauftritts der Tschechischen Republik auf der Frankfurter Buchmesse. Und dank unserer finanziellen Förderung können dabei auch folgende Werke auf Deutsch vorgestellt werden:

Deutsch-tschechische Ausgabe des Bandes „Lyrik IV“ aus den Gesammelten Werken Vladimír Holans

Mit der Herausgabe des kompletten fünften Bandes aus der deutsch-tschechischen Werkausgabe Vladimír Holans, der Gedichtsammlung „Na postupu/Auf dem Vormarsch“, wird der Universitätsverlag Winter gerade rechtzeitig fertig, um ihn auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse präsentieren zu können. Die kommentierte zweisprachige Ausgabe der gesammelten Werke stellt de facto das Gesamtwerk des tschechischen Dichters in deutscher Übersetzung vor. Das Vorhaben, das 2003 vom Mutabene Verlag Köln ins Leben gerufen wurde, wird nun von dem international anerkannten Universitätsverlag Winter aus Heidelberg umgesetzt. Von den geplanten 14 Bänden sind bislang acht erschienen. Das Projekt gilt als Musterbeispiel einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und wurde sogar als „Meilenstein in den deutsch-tschechischen Literaturbeziehungen“ bezeichnet. Die Holan-Ausgabe ist in vielerlei Hinsicht ein Brückenschlag über die deutsch-tschechische Grenze, denn in der tschechischen Literatur gibt es bis dato kein vergleichbares zweisprachiges Editionsprojekt.

Fördersumme des Zukunftsfonds: 13.000 Euro

Deutsche Übersetzung und Herausgabe von Václav Havels Erinnerungen an das Charta-Jahr 1977

Anlässlich des 90. Geburtstags von Václav Havel erscheint diesen Herbst eine deutschsprachige Ausgabe des Buchs „Někam jsem to ukryl“ („Ich habe es irgendwo versteckt“), das Aufzeichnungen Havels aus der Zeit unmittelbar nach der Veröffentlichung der Charta 77 enthält. Entdeckt wurden sie erst nach seinem Tod im Nachlass seines engen Freundes Zdeněk Urbánek, und dank der Arbeit der Prager Václav-Havel-Bibliothek (Knihovna Václava Havla) wurden sie aufbereitet und veröffentlicht. Der Text ist ein kostbares, unverfälschtes Zeugnis politischer Verfolgung. Er vermittelt Erfahrungen von Angst, Ohnmacht und moralischer Bedrängnis. Seine unmittelbare Sprache und sein tiefer Einblick in die Mechanismen der Macht machen ihn nicht nur zu einer wichtigen historischen Quelle, sondern auch zu einer lebendigen und bedeutsamen Reflexion über menschliche Freiheit und moralischen Mut. Gerade in der heutigen Zeit ist seine Lektüre beispielhaft wie auch erfrischend. Denn Havel zeigt, wie autoritäre Macht nicht nur durch Gewalt, sondern auch durch Bürokratie, Einschüchterung und psychischen Druck ihre Wirkung entfalten kann. Und wirft damit zeitlose Fragen auf: Wie soll sich der Einzelne gegenüber einer ungerechten Macht verhalten? Wo liegen die Grenzen von Anpassung und Widerstand? Den heutigen Leser regt er – auch in demokratischen Gesellschaften – dazu an, über das eigene moralische Handeln nachzudenken. Das Buch wird der deutschen Öffentlichkeit vom Mitteldeutschen Verlag auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vorgestellt.

Fördersumme des Zukunftsfonds: 11.000 Euro

Festival für tschechisches Gegenwartstheater – dieses Jahr auch in Frankfurt

Drei zeitgenössische tschechische Dramatiker werden dieses Jahr während der Frankfurter Buchmesse zum deutschen Publikum sprechen. Das ursprünglich in Berlin beheimatete Festival „Ein Stück: Tschechien“ hat für den Jahrgang 2026 ein „Frankfurt-Special“ vorbereitet, in dessen Rahmen szenische Lesungen von Stücken Hana D. Lehečkovás („Trollmama“), Tomáš Rálišs („Ausgewohnt“) und Tomáš Dianiškas („Spottschau“) in deutscher Sprache präsentiert werden. Bei einer öffentlichen Diskussion mit den Autoren und der Verlegerin im Internationalen Theater Frankfurt wird zudem die neue, vom Berliner Neofelis Verlag herausgegebene, Anthologie „Am Wannenrand. Tschechische Gegenwartsdramatik“ vorgestellt.

Fördersumme des Zukunftsfonds: 12.000 Euro

Geförderte Projekte