17. Dezember 2025

Rettung des kulturellen Erbes

Der Zukunftsfonds fördert die Renovierung von 30 Kulturdenkmälern

(Prag) Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds fördert 161 neue Projekte. Er stellt dafür einen Betrag von insgesamt 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, wie der Verwaltungsrat heute in Prag beschlossen hat.

Ein besonderer Fokus lag diesmal auf der Renovierung sakraler Denkmäler – als Teil des Kulturerbes, das deutsche und jüdische Einwohner der böhmischen Länder geschaffen haben. Der Zukunftsfonds fördert die Sanierung von 18 Kirchen, 2 Synagogen, 6 deutschen und 4 jüdischen Friedhöfen. Insgesamt werden für die Renovierung der dreißig Denkmäler 480.000 Euro bereitgestellt.

„Die Generation der Zeitzeugen, die mit diesen Orten Erinnerungen an ihre Kindheit oder an ihre Vorfahren verbanden, die regelmäßig dorthin zurückkehrten und sich wünschten, dass diese Orte nicht in Vergessenheit geraten, – diese Generation verschwindet langsam. Verfallene Kirchen, verwahrloste deutsche Friedhöfe oder zerstörte Grabmale jüdischer Familien erwachen jedoch auch weiterhin zu neuem Leben! Heute ist dies vor allem den Bemühungen von jüngeren Menschen, Bürgerinitiativen oder Einzelpersonen zu verdanken, die oftmals keine persönliche Beziehung zu diesen Denkmälern haben, denen es aber wichtig ist, sie für die Zukunft zu erhalten. Immer häufiger sind es auch die Gemeinden, deren Verwaltungen oder Einwohner, die sich für die Geschichte ihres Ortes interessieren. Sie renovieren Kapellen, Kirchen oder andere Gebäude und verwandeln sie in Orte der Begegnung mit Menschen aus dem Nachbarland”, sind sich Rita Hagl-Kehl und Jindřich Fryč, die Verwaltungsratsvorsitzenden des Zukunftsfonds, einig.

Der Verwaltungsrat würdigte in diesem Zusammenhang das Förderprogramm des tschechischen Ministeriums für Regionalentwicklung zur Renovierung deutscher Gräber in den Grenzregionen.

Gefördert wurden zum Beispiel folgende Denkmäler:

Reparatur der Hauptkuppel der Synagoge in Děčín

Die Synagoge in Děčín (Tetschen) ist eine der wenigen Synagogen, die die „Kristallnacht“ im November 1938 überstanden. Berichten zufolge marschierte bereits ein Zug von Nazis mit brennenden Fackeln auf sie zu, konnte jedoch durch eine Warnung vor der Ausbreitung des Feuers auf die umliegenden Wohnhäuser gestoppt werden. Die architektonisch wertvolle Synagoge wurde im orientalisierenden Jugendstil in den Jahren 1906–1907 von lokalen Unternehmern und Mäzenen für die zahlenstarke jüdische Gemeinde erbaut. Während des Krieges wurde das geistliche Zentrum von der Wehrmacht als Lagerhalle missbraucht, nach 1945 befand sich dort das Bezirksarchiv. Seit 1996 gehört das Gebäude der jüdischen Gemeinde Děčín, die einen Zuschuss für die Rekonstruktion der Hauptkuppel und der Schieferdachdeckung beantragt hat. Nach Abschluss der Reparaturarbeiten soll die Synagoge wieder für regelmäßige religiöse, gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen genutzt werden.

Förderbetrag des Zukunftsfonds: 600.000 CZK

Rettung der Ruine einer evangelischen Kirche in Rudník

An eine der ältesten evangelischen Kirchen im östlichen Riesengebirge erinnert heute nur noch eine Ruine: die verfallenen Steinmauern, der Torso des Turms und die Überreste des Friedhofs. Das im Stil des Barock-Klassizismus errichtete Gebäude aus dem späten 18. Jahrhundert war einst ein regionales Zentrum des lutherischen Glaubens, nach dem Krieg begann es nach und nach zu verfallen. Die Gemeinde Rudník (Hermannseifen) hat sich jedoch mit dem Heimatkreis Hohenelbe/Riesengebirge zusammengeschlossen, in dem sich Nachfahren ehemaliger deutscher Einwohner des Ortes engagieren, um gemeinsam mit ihnen die Rettung der Kirche in Angriff zu nehmen. Der Zuschuss des Fonds wird in der ersten Phase dazu beitragen, die Statik des gesamten Gebäudes zu sichern und den Turm mit einem Dach zu versehen. In der zweiten Phase ist die Überdachung des Hauptschiffs und der Umbau des Innenraums zu einem Kulturzentrum geplant. Der örtliche Bürgerverein RURU hat ein Benefiz-Open-Air-Festival organisiert und bereitet zum 240-jährigen Jubiläum der Kirche im nächsten Jahr ein Buch über deren Geschichte vor.

Förderbetrag des Zukunftsfonds: 352.000 CZK

Renovierung der Grabsteine auf dem deutschen Friedhof in Kerhartice

Die Wiederbelebung des Dorfes Kerhartice (Gersdorf) im Bezirk Děčín (Tetschen) ist Freiwilligen aus Böhmen, Mähren und Bayern zu verdanken, die in den 90er Jahren unter Leitung eines lokalen Enthusiasten die zum Abriss bestimmte Maria-Magdalena-Kirche renovierten. Der Zukunftsfonds bezuschusste 2006 die neuen Glocken, deren Guss einstige deutsche Einwohner in Auftrag gaben. An die Geschichte ihrer Familien seit Mitte des 19. Jahrhunderts erinnert ein verwahrloster deutscher Friedhof. Neun Grabsteine wurden bereits repariert, nun hat die katholische Pfarrei gemeinsam mit einem der Nachkommen einen Zuschuss für die Renovierung von acht weiteren beantragt. Außerdem soll das mit einem deutschen Vers versehene Hauptkreuz erneuert werden. Die Kirche ist Zentrum des geistlichen und kulturellen Lebens der Gemeinde und ein Ort der deutsch-tschechischen Begegnung und Versöhnung.

Förderbetrag des Zukunftsfonds: 200.000 CZK

Neben der Renovierung von Kulturdenkmälern gehen im nächsten Jahr auch etliche Projekte im Bereich Bildung und Kultur an den Start:

Schüleraustausch zum Thema des Jahres „Never again!“ – 80 Jahre Kriegsende

Schülerinnen und Schüler aus Gymnasien in Neckargemünd und Jindřichův Hradec werden sich während zweier Treffen mit dem Thema Rassismus, Antisemitismus und Propaganda während des Zweiten Weltkriegs befassen und dabei auch Bezug auf die Gegenwart nehmen. Sie besuchen die Thingstätte in Heidelberg – ein Freilichttheater, das während des Nationalsozialismus mit der Propaganda Joseph Goebbels‘ verknüpft war, oder eine KZ-Gedenkstätte mit anschließender Diskussion über die nationalsozialistische Verfolgung der Sinti und Roma. In Jindřichův Hradec werden sie erfahren, dass das dortige Gymnasium während des Krieges als Militärlazarett diente und in den Studentenwohnheimen die Gestapo ihren Sitz hatte. Stolpersteine geleiten sie durch das einstige jüdische Viertel und erinnern an die Familien, die dem Rassenhass des Hitler-Regimes zum Opfer fielen. In dem „verschwundenen“, heute nicht mehr existierenden Dorf Nové Mlýny (Neumühl) werden sie zudem der Vertreibung der deutschen Bevölkerung gedenken. Das intensive Programm, in dessen Rahmen sich die Schüler mit Ursachen und Folgen des Kriegs auseinandersetzen, bezieht sich auf unser Thema des Jahres 2025.

Förderbetrag des Zukunftsfonds: 170.000 CZK

„Die unsichtbare Wand“ in deutsch-tschechischer Fernsehkoproduktion

Das Prag der Zwischenkriegszeit war ein kulturelles Zentrum Mitteleuropas. Und obgleich deutsche und tschechische Kunstschaffende hier unmittelbar nebeneinander lebten, schien zwischen ihnen eine „unsichtbare Wand“ zu bestehen. Die historischen, nationalen, sprachlichen und religiösen Unterschiede bewirkten, dass sie innerhalb ihrer Communitys blieben und ihre Werke nahezu unabhängig voneinander schufen. Das deutsch-tschechische Autorenduo Matthias Schmidt und Vít Poláček haben für ihren Dokumentarfilm sechs Persönlichkeiten der damaligen Literatur-, Theater-, Film- und Kunstszene ausgewählt: die Malerin Toyen, die Schriftsteller Max Brod und Karel Čapek, die Publizistin Milena Jesenská, die Schauspielerin Anna Ondráková und den Schauspieler und späteren Exilschriftsteller Peter Lotar. Ihre Lebensgeschichten zeigen, wie sich das Zusammenleben von Tschechen, Deutschen und Juden entwickelte und wie die verschiedenen künstlerischen Strömungen die Atmosphäre in der Gesellschaft prägten. Die zwei 43-minütigen Teile, die zwei Umbruchszeiten – nach 1918 und nach Hitlers Machtantritt 1933 – nachzeichnen, entstehen in einer Koproduktion zwischen dem Tschechischen Fernsehen (Česká televize), arte/ZDF und ORF und werden von allen Sendern zu den Hauptsendezeiten ausgestrahlt.

Förderbetrag des Zukunftsfonds: 350.000 CZK

Schüler-Workshop zur Popkultur während des Prager Frühlings 1968

Ziel dieses Projekts ist die Vorbereitung eines Kreativworkshops für Schülerinnen und Schüler im Alter von 15–17 Jahren, der ihnen in innovativer Form Ereignisse aus der Zeit des Kalten Kriegs näherbringen soll. Ausgangspunkt ist eine deutsch-tschechische Theateraufführung über den Intervision Song Contest 1968 in Karlsbad, bei dem Sängerinnen und Sänger aus Ost und West erstmals auf einer gemeinsamen Bühne auftraten – und das nur wenige Monate vor dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in die Tschechoslowakei. Die Frankfurter Künstlergruppe Boys in Sync und die tschechische Performerin Markéta Hrehorová werden sich mit dem Zukunftsfonds in die deutsch-tschechische Welt begeben und zunächst einen Pilot-Workshop vorbereiten, in den sie deutsche und tschechische Studierende von der Universität Leipzig einbeziehen. Gemeinsam werden sie historische Dokumente und geopolitische Zusammenhänge kennenlernen und über die Folgen der Unterdrückung von Freiheitsrechten diskutieren.

Förderbetrag des Zukunftsfonds: 4.500 Euro

2026 ist Tschechien Ehrengast der Frankfurter Buchmesse und der Zukunftsfonds ist sein Partner. Im Rahmen des Jahres der tschechischen Kultur in Deutschland wird der Fonds seine Rolle als wichtiger Akteur des deutsch-tschechischen Kulturaustauschs wahrnehmen und eine Reihe einzigartiger Kunstprojekte fördern.

Ausstellung „Neue tschechische Architektur” im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt

Das umfangreichste Projekt zur Sonderausschreibung Frankfurt 2026 und zugleich die größte Präsentation tschechischer Architektur in Deutschland während der letzten Jahrzehnte – so wird die Ausstellung „Neue tschechische Architektur“ in die Annalen eingehen. Tschechische Architekten im Alter um die 40 Jahre werden ihre Werke im Deutschen Architekturmuseum (DAM) Frankfurt vorstellen. In ansprechender Form, mittels Videoprojektionen, Fotos und interaktiven Plänen, zeigen sie Dutzende von Bauwerken, die in Regionen außerhalb Prags umgesetzt wurden. Sie knüpfen dabei an das Erbe des deutschen Modernisten Ludwig Mies van der Rohe an, der im Alter von 42 Jahren sein berühmtestes Werk, die Villa Tugendhat in Brünn, entwarf. Und genau dort, in den Räumen der Villa Tugendhat, findet Ende März das Symposium „More is now!“ statt. Vorgestellt wird dabei die Ausstellung dieser aufstrebenden tschechischen Architektengeneration, die neue Materialien und Technologien in ihre Entwürfe einbringt, die versucht, Bauwerke sensibel in den öffentlichen Raum zu integrieren und dabei die Umwelt zu respektieren. Für das Frankfurter Publikum öffnet die prestigeträchtige Ausstellung im August ihre Pforten, danach wird sie durch tschechische Kulturzentren im Ausland wandern.

Förderbetrag des Zukunftsfonds: 1.500 000 CZK

Ausstellung einer tschechischen Bildhauerin in der renommierten Schirn Kunsthalle Frankfurt

Die Ausstellung der tschechischen Bildhauerin Anna Hulačová in der renommierten Frankfurter Schirn Kunsthalle präsentiert eine weitere Facette tschechischer Kunst. Das internationale Publikum der Buchmesse gewinnt so einen Einblick in die aktuelle Kunstszene des Gastlandes. Anna Hulačová erschafft surrealistisch-poetische Alternativwelten, in denen sich aktuelle Themen, Geschichte, Biologie und Ökologie widerspiegeln. Sie ergründet die neue Beziehung des Menschen zu Natur und Technologie. Ein charakteristisches Element ihrer Arbeiten sind Bienenwaben, integriert in Holz- oder Betonskulpturen. Sie verweist damit auf den hybriden Charakter der heutigen Zeit, in der heterogene Materialien miteinander verbunden werden und eine neue Realität entstehen lassen. Die Ausstellung wird von einer Marketingkampagne, kommentierten Führungen und Spezialprogrammen für Schüler, Studierende und erwachsene Besucher begleitet. 

Förderbetrag des Zukunftsfonds: 15.000 Euro

Ausstellung „Tschechisches Buchdesign und Illustration” im Klingspor Museum Offenbach

Tschechische Buchkunst, Buchgrafik und Buchdesign von 1900 bis in die Gegenwart sind Thema einer Ausstellung, die das Prager Kunstgewerbemuseum gemeinsam mit dem Klingspor Museum Offenbach für September 2026 vorbereitet. Es handelt sich um die erste derart umfangreiche Auslandspräsentation der tschechischen Sammlungen. Sie zeigt, wie sich historische und gesellschaftliche Ereignisse in der visuellen Gestaltung oder Illustration von Büchern widerspiegeln. Teil der Ausstellung sind kommentierte Führungen, Autorenlesungen, Workshops wie auch Vorträge tschechischer Kinderbuchverleger oder deutscher Sammler tschechischer Kunst. Das Klingspor Museum besitzt mehrere Werke Prager deutschsprachiger Kunstschaffender aus dem 19. Jahrhundert wie auch Arbeiten tschechischer Künstlerinnen und Künstler, die in Deutschland tätig waren, so zum Beispiel der weltweit anerkannten Illustratorin und Grafikerin Květa Pacovská. 100 Jahre tschechischer Buchkunst werden auch in einem Katalog in deutscher oder englischer Sprache präsentiert, der sie einem weltweiten Publikum näherbringt.

Förderbetrag des Zukunftsfonds: 28.000 Euro

Geförderte Projekte